Der Lyssbach überflutete regelmässig Dorfteile der Gemeinde Lyss im Kanton Bern. Die im Jahre 2007 entstandenen Schäden belaufen sich auf schätzungsweise rund 100 Millionen Franken. Grund für die prekären Verhältnisse ist die ungenügende Abflusskapazität des Lyssbaches im Bereich des Siedlungsgebietes. Verschiedene Hochwasser - im Sommer 2007 gleich drei Mal - zeigten die Problematik sowie die Limiten des heutigen Systems deutlich auf.

Um dem entgegenzuwirken muss im Hochwasserfall die Abflussmenge des Lyssbaches im Siedlungsbereich drastisch reduziert werden können. Verschiedene Studien in den letzten Jahren sowie Aspekte der technischen Realisierbarkeit und der Sicherheit führten zur Variantenwahl des Entlastungsstollens.

Dieser Entlastungsstollen weist eine Länge von 2'570 m auf. Er beginnt im Bereich Leen, mündet im Bereich Fulenmatt in den Lyssbach und anschliessend in die Alte Aare. Der Stollen weist praktisch über die gesamte Länge ein Gefälle von 0,58 % auf. Der Durchmesser des Stollens beträgt 4 Meter.

Die Linienführung des 2,57 km langen Stollens.

 

Das Querprofil des Entlastungsstollens. Die Kapazität des Stollens beträgt rund 70 m3/s
oder etwa rund 330 Badewanneninhalte pro Sekunde.

 

Das Projekt Lyssbachstollen besteht aus den folgenden, wichtigsten Bauwerken:

  • Abflussregulierung im Leen
  • Einlaufbauwerk im Leen mit Nebenbauwerken
  • Entlastungsstollen Leen - Fulenmatt
  • Auslaufbauwerk in Fulenmatt
  • Aufwertung Auenwald Fulenmatt
  • Zufahrten zum Ein- und Auslaufbauwek
  • Hochwasserentlastung Grentschelbach direkt in den darunter liegenden Stollen

 

So funktioniert der Stollen

Der Einlaufbaubereich im Leen besteht aus einer Drosselblende (1) im Lyssbach, dem Beruhigungsteich (2), einem Grobholzrechen (3) und Einlaufbauwerk (4). Das Hochwasser kann bis zu einer bestimmten Wassermenge das Gerinne des Lyssbach ungehindert passieren. Wenn der Wasserspiegel bei der Bielbrücke ein kritisches Niveau erreicht (24 m3/s), gibt die Pegelmessung der Blende im Leen den Drosselungsbefehl. Das Wasser staut sich hinter der Blende, steigt an und fliesst seitlich in einen Beruhigungsteich.

Dieser nimmt verschiedene wichtige Funktionen wahr. Im Teich wird das Geschiebe abgelagert, die Strömung beruhigt und mit dem Grobholzrechen das Schwemmmaterial vom Einlauf in den Stollen ferngehalten. Anschliessend gelangt das Wasser einen Überfall in das Einlaufbauwerk zum Entlastungsstollen.

Nach zwei Drittel der Stollenstrecke wird über einen Vertikalschacht der Hochwasseranteil des Grentschelbachs eingeleitet. Das Auslaufbauwerk in der Fulematt wird die Energie des Wassers vor der Rückgabe in das Lyssbachgerinne abbauen.